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11.04.08 HSV scheidet aus - und erobert die Herzen der Fans

Dramatischer 32:26-Sieg gegen BM Ciudad Real reichte nicht
Hocherhobenen Hauptes verabschiedet sich der HSV Handball aus seiner ersten EHF Champions League-Saison. Trotz eines 32:26 (14:11)-Sieges im Halbfinal-Rückspiel gegen BM Ciudad Real scheiden die Hamburger aus der Königsklasse aus. Am Ende fehlte ein Tor, um den Sieben-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel zu drehen. 12.585 Zuschauer in der ausverkauften Color Line Arena unterstützten ihr Team die ganze Spielzeit über frenetisch. Die Hoffnung auf den Finaleinzug hielt bis zur letzten Minute, doch am Ende fehlten Sekunden zum Weiterkommen des HSV. Mit neun Treffern war Pascal Hens erfolgreichster Torschütze der Partie.
Fans in der Color Line Arena unterstützten Projekt 8 frenetisch
Alle Sitze in der Color Line Arena wurden vor dem EHF Champions League-Halbfinalrückspiel des HSV Handball gegen BM Ciudad Real mit Fanklatschen ausgestattet. Projekt 8 lautete die Aufschrift. Es galt einen Sieben-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel umzubiegen. Und die 12.585 Zuschauer in der ausverkauften Color Line Arena verwandelten die Halle in einen Hexenkessel.
Auch die Spieler gaben von Beginn an Vollgas. Das Spiel wurde sehr intensiv und körperbetont geführt. Allein die Torausbeute war mager. In der zehnten Minute führte der HSV mit 3:2, dann legten die Hamburger vor. Bis zur 17. Minute zog das Team von Trainer Martin Schwalb auf 7:3 davon. Die engagierte Abwehrarbeit wurde jedoch immer wieder mit Siebenmetern gegen den HSV bestraft. Johannes Bitter im Hamburger Kasten und später Per Sandström konnten allerdings zwei, jeweils gegen Siarhei Rutenka, der sechs Strafwürfe in der ersten Hälfte entschärfen. Zwei weitere Siebenmeter vergaben Olafur Stefansson und Rutenka ohne Hamburger Eingreifen. Zwischenzeitlich verkürzte der spanische Meister das Ergebnis auf 8:9 (23. Minute). Doch in der Schlussphase der ersten Spielhälfte setzten sich die Hamburger durch Tore von Krzysztof Lijewski und Guillaume Gille erneut ab (13:9, 27.) ab. Den Schlusspunkt unter die erste Halbzeit setzte wiederum der französische HSV-Kapitän mit seinem Treffer zum 14:11. Die Gille-Brüder, Bertrand und Guillaume, waren mit jeweils vier Toren die erfolgreichsten Hamburger Werfer in Halbzeit eins.
Dramatische Schlusssekunden
Lange Zeit zu Beginn der zweiten Spielhälfte sah es so aus, als könnten die Spanier ihren Rückstand zum HSV in Grenzen halten. Kaum ging der HSV mit vier Treffern in Führung, wie beim 22:18 nach zwei Treffern von Kyung-Shin Yoon (42.), setzte Ciudad Real wieder nach und verkürzte das Ergebnis (23:22, 45.). Die Hamburger bewiesen, mit der Unterstützung des Publikums, ihre großen Stärken: Wille und Kampfkraft. Kontinuierlich bauten sie ihren Vorsprung in den letzten zehn Minuten des Spiels aus. Immer wieder traf Pascal Hens, so dass die Hamburger zwei Minuten vor dem Ende mit sechs Toren vorn lagen (32:26). Ein Treffer fehlte noch zum Erreichen des Finales.
Die Stimmung gelangte auf den Siedepunkt. Minutenlang stand Krzysztof Lijewski im gelben Leibchen des siebten Feldspielers hinter der Bank. Arpad Sterbik hielt in der Schlussminute den Wurf von Guillaume Gille. Im Gegenzug konnten Olafur Stefansson den Ball zwar nicht mehr im Tor unterbringen, der Isländer behinderte Johannes Bitter jedoch effektiv beim Abwurf. Die im gesamten Spielverlauf umsichtig pfeifenden Unparteiischen Gilles Bord und Olivier Buy zeigten sofort die Rote Karte. Gleichzeitig ließen die französischen Schiedsrichter die verbleibenden elf Sekunden auf der Uhr herunter laufen. Am Ende reichte die 26:32-Niederlage für BM Ciudad Real zum Finaleinzug.
Standing Ovations
Das Hamburger Publikum feierte ihre Mannschaft 10 Minuten lang nach Abpfiff mit Standing Ovations für eine herausragende Leistung. Für die nächsten Bundesliga-Spiele hat Martin Schwalb allerdings erneut Personalsorgen: Heiko Grimm hat Probleme mit dem rechten Sprunggelenk, Kyung-Shin Yoon laboriert an Achillessehnenproblemen und auch Krzysztof Lijewski ist während der zweiten Halbzeit umgeknickt.
HSV Hamburg: Bitter (10/2 Paraden, 1.-43., 46.-60.); Sandström (1/1 P., 43.-46.); Müller n.e.
Hens 9, Lindberg 7/3, G.Gille 6, B. Gille 4, Yoon 3, K. Lijewski 2, Ursic 1, Grimm, Torgovanov, Souza, Schult n.e.,
BM Ciudad Real: Sterbik (13 P., 1.-60.); Hombrados (60.);
Stefansson 8/4, Rutenka 6/2, Källmann 5, Entrerrios 3, Laen 2, Davis 1, Urios 1, Pajovic, Zormann, Morros, Masachs, Dinart
Siebenmeter: 3/3 – 6/12 (Bitter hält gegen Rutenka, Bitter pariert gegen Stefansson, Sandström wehrt gegen Rutenka ab, Stefansson wirft an die Latte, Rutenka wirf über das Tor, Stefansson wirft über das Tor)
Strafminuten: 4 – 6 (G. Gille, Torgovanov, Souza, B. Gille – Pajovic 2x, Dinart, Morros, Rutenka, Entrerrios)
Spielfilm: 1:0 (3.), 2:0 (7.), 2:2 (9.), 3:3 (11.), 4:3 (12.), 5:3 (16.), 7:3 (18.), 7:4 (19.), 9:6 (22.), 9:8 (23.), 10:9 (24.), 13:9 (27.), 13:11 (30.), 14:11 (30.) – 14:12 (31.), 14:13 (32.), 16:14 (33.), 17:14 (35.), 17:16 (36.), 18:17 (38.), 20:17 (40.), 21:18 (41.), 22:18 (42.), 22:20 (43.), 25:23 (47.), 26:23 (48.), 27:24 (59.), 28:25 (53.), 29:26 (55.), 31:26 (57.), 32:26 (58.), 32:26 (60.)
Die Bilder zum Spiel sehen Sie hier.
Stimmen zum Spiel:
Martin Schwalb (Trainer HSV Hamburg): „Zunächst möchte ich Ciudad zum Finaleinzug gratulieren. Wenn man von einem zweiten Sieger sprechen kann, sind das die HSV-Fans. In den 26 Jahren meiner Karriere habe ich noch nie das Privileg gehabt, vor so einem Publikum zu spielen. Ich darf mich im Namen der Mannschaft bedanken. Im Spiel haben wir umgesetzt, was wir wollten. Wir hatten Ciudad am Rand der Niederlage. Am Ende haben wir ein bisschen Pech gehabt. Dass wir uns die Chance überhaupt erarbeitet haben, zeigt, welch tolle Mannschaft wir haben. Wir haben wirklich alles gegeben. Es ist im Handball so, dass man nicht alles richtig macht. Man weiß ja nicht, ob Ciudad noch ein Tor gemacht hätte, wenn Guillaume Gille seine Chance genutzt hätte. Deswegen bin ich nicht verärgert. In 44 Stunden ist das nächste Spiel. Jetzt müssen wir sehen, dass wir uns wieder für die Champions League qualifizieren und dann Ciudad weghauen. Und das werden wir.“
Pascal Hens (Rückraumspieler HSV Hamburg): „Es lief nicht ganz rund. Wir haben dann gekämpft und gefightet. Die Zuschauer haben uns nach vorn gepeitscht. Ich hatte nach dem WM-Finale gedacht, dass ich so eine Stimmung nie wieder erleben würde. Glückwunsch an Ciudad. Am Ende kann nur einer weiterkommen. Nächstes Jahr hoffen wir, dass der letzte Wurf reingeht.“
Talant Dujshebaev (Trainer BM Ciudad Real): „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und auf das, was wir am Ende geschafft haben. Es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich mich beschweren möchte. Wir sind von den Schiedsrichtern ungerecht behandelt worden. Schauen Sie sich das Spiel auf Video an!“
Siarhei Rutenka (Spieler BM Ciudad Real): “Ich bin sehr zufrieden, dass wir das Finale erreicht haben. Wir wussten, dass es gegen Hamburg sehr hart werden würde. Ich kann verstehen, dass die HSV-Spieler vor diesem Publikum bis zum Umfallen kämpfen. Aber ich verstehe nicht, dass die Zuschauer pfeifen, wenn einer unserer Spieler verletzt am Boden liegt.”
Notizen zum Spiel:
- Kyung-Shin Yoons 21:18 in der 41. Minute war der 600. Treffer des Südkoreaners für den HSV Handball in Champions League, Bundesliga und DHB-Pokal.
- Guillaume Gille erzielte mit dem 13:9 in der 27. Minute sein 100. Saisontor.
- Stefan Schröder ist am Sonnabend, 12. April, im Holsten HSV Talk auf Hamburg 1 zu Gast. Nach dem Heimspiel der Fußballer gegen den MSV Duisburg gehört er der Talk-Runde um Moderator Uli Pingel, HSV-Pressesprecher Jörn Wolf und Spielern der HSV-Mannschaft an. Hamburg 1 strahlt den Holsten HSV Talk um 19.45 Uhr aus.
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