01.04.08 -
Der mentale Kater am Morgen danach war den HSV-Spielern anzusehen. Mit ernsten Mienen und hängenden Schultern hatten sie sich auf dem Parkplatz des Fitnessstudios "Aspria" in Hummelsbüttel im Kreis postiert. Nach einer achtminütigen engagierten Ansprache schickte Trainer Martin Schwalb (44) seine Mannen auf eine 20-minütige Laufrunde ins Grüne. Frust abschütteln. Frische tanken.
"Die Jungs können stolz auf das Erreichte sein, habe ich ihnen gesagt", berichtete Schwalb. "Und dass wir gar keine Zeit haben, die Köpfe hängen zu lassen." Doch die 29:32-Niederlage im Pokalfinale gegen Kiel nagte gestern noch an den Spielern, von denen sich die meisten am Sonntagabend in der Tapas-Bar "Tercio" in Eppendorf zum Essen getroffen hatten. Einige waren nach Hause zu Frau und Kindern gefahren. "Die Enttäuschung sitzt tief", sagt Pascal Hens, und Kyung-Shin Yoon berichtet: "Ich habe ganz schlecht geschlafen."
Keine Ruhe vor dem nächsten Sturm. Die Titeljagd geht weiter. Schon morgen müssen die erschöpften Ballwerfer in der Meisterschaft gegen Balingen ran. "Da können wir uns keinen Ausrutscher erlauben", mahnt Keeper Johannes Bitter. "Und das nächste Highlight steht ja schon bevor." Der Königsklassen-Knaller. Das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Ciudad Real am Sonntag.
Ausgerechnet vor dem vorläufigen Höhepunkt der Saison werden die Verletzungssorgen immer schlimmer. "Das nervt langsam", meinte Bitter im Hinblick auf das HSV-Lazarett (Gille, Velyky, Schröder, Flohr, Jansen). Der Wille ist trotz aller Widrigkeiten ungebrochen. "Wir wollen in unser zweites Finale!", verkündet Hens. Schwalb: "Wir werden Ciudad den Zahn ziehen." Trotz aller Schmerzen - das kollektive Kämpferherz der HSV Handballer schlägt unverändert stark.
VON NILS WEBER
