Thronfolger auf der Parade-Position (Hamburger Abendblatt)

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Thronfolger auf der Parade-Position (Hamburger Abendblatt)

1 Kiel 35 : 1 +163
2 Hamburg 27 : 9 +65
3 Lemgo 27 : 9 +59
4 Magdeburg 27 : 9 +57
5 R-N Löwen 24 : 12 +63
Color Line Arena
HBL
EHF Champions League

Thronfolger auf der Parade-Position (Hamburger Abendblatt)

28.07.08 -

Natürlich kommen die Erinnerungen jetzt wieder hervorgekrochen. Weit haben sie es ja nicht, auch wenn eineinhalb Jahre im schnelllebigen Handballgeschäft eine kleine Ewigkeit sein können. Aber hier im "Gerry-Weber-Sportpark-Hotel", einer Wellness-Oase inmitten des Teutoburger Waldes, haben sie ein Heimspiel. Es ist der Ort, an dem das "Projekt Gold 2007" annahm. An dem jener Geist in der deutschen Nationalmannschaft Gestalt einzog, der den triumphalen Weltmeisterschaftssieg erst möglich gemacht hat. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Bundestrainer Heiner Brand in den vergangenen fünf Tagen hier versammelt hat, um es auf die Olympischen Spiele in Peking vorzubereiten.

Bei Johannes Bitter hat es seine Wirkung nicht verfehlt. "Man denkt verstärkt wieder an damals. Das war schon ein Traum", erzählt der Torhüter des HSV Hamburg. Derzeit vergeht ja auch kein Tag, an dem er nicht darauf angesprochen wird, ob man das deutsche Wintermärchen im chinesischen Sommer 2008 einfach so wiederholen kann. Und? Kann man? Bitter drückt es so aus: "Wir wissen, wie wir damals erfolgreich waren. Und dass wir nicht so viel zu ändern brauchen, um so einen Erfolg zu wiederholen."

Ein paar Dinge werden sie ändern müssen. Markus Baur, der Kapitän und Spielmacher, musste unmittelbar vor Beginn der Vorbereitung im Mai seinen Traum von der vierten Olympiateilnahme begraben, weil sie sich nicht mit seiner Trainertätigkeit beim TBV Lemgo hätte vereinbaren lassen. Spielerisch lässt sich das vielleicht kompensieren. Aber die Hierarchie in der Mannschaft muss sich ohne den alten Leitwolf zwangsläufig neu einpendeln. "Jeder von uns muss jetzt ein bisschen mehr Verantwortung tragen", fordert Bitter, "wir haben genug Führungsspieler."

Nein, versichert er dann noch, sich selbst meine er damit nicht: "Ich versuche meine Meinung einzubringen. Aber ich dränge mich nicht in die Leaderrolle." Selbstverständlich, Bitter ist erst 25 Jahre, ein Alter, in dem Handballtorhüter in der Regel das Beste noch vor sich haben. In der Nationalmannschaft aber, in der er bereits als 19-Jähriger debütierte, ist der 2,05-Meter-Mann schon seit der Weltmeisterschaft 2005 eine feste Größe. Und auch wenn Henning Fritz den Anzug mit der Nummer eins trägt: Spätestens seit seinen famosen Reflexen der vergangenen Bundesligaspielzeit, seiner ersten mit dem HSV, ist an Bitter auf der Parade-Position kein Vorbeikommen, da sind sich die Fachleute einig.

"Junge, gewinn das Ding!"

Es ist kein radikaler Umbruch, wie es bei den Fußballern vor der Weltmeisterschaft 2006 die Ablösung von Oliver Kahn durch Jens Lehmann war, eher eine schleichende Erbfolge, in der der alte Fritz (33) dem jungen Thronanwärter mehr und mehr das Feld überlassen muss. Wer nach dem Anfang dieses Wachwechsels forscht, wird irgendwann beim WM-Endspiel gegen Polen landen. Fritz hielt prächtig, bis ihn eine Verletzung außer Gefecht setzte. Als er vom Feld humpelte, beschwor er Bitter: "Junge, gewinn das Ding." Bitter gewann es.

Trotzdem ist er klug genug, keine Ansprüche zu stellen. Weil er Fritz, den einstigen Welthandballer, der bei den Rhein-Neckar Löwen ins zweite Glied gerutscht ist, als Freund bezeichnet. Weil man zwei gute Torhüter braucht, wenn man im Handball etwas gewinnen will. Und weil Bitter weiß, wie zuwider dem Bundestrainer forsche Töne sind: "Einzelkämpfer werden bei Heiner schnell aussortiert. Und bei uns Torleuten steht ohnehin der Teamgeist im Vordergrund. Da ist keiner neidisch auf den anderen." Wobei Bitter ausdrücklich den dritten Mann Carsten Lichtlein einbezieht, der von Brand nicht für Peking berücksichtigt wurde: "Er genießt bei Henning und mir großen Respekt."

Johannes privat, Jogi Sport

Wahrscheinlich kann so nur jemand reden, für den Handball zwar viel bedeutet, aber nicht alles ist. Dem das große Ganze wichtiger ist als das kleine Ego. Wer seine Internet-Homepage besucht, muss sich zunächst einmal entscheiden: Will er zu "Johannes privat", dem Sportstudenten und Familienmenschen Bitter, einem von vier Geschwistern und seit drei Monaten selbst Familienvater. Den es bei seinem Umzug nach Hamburg ins pralle Leben des Schanzenviertels zog, weil er die Vorzüge der Großstadt auskosten möchte. Oder will er zu "Jogi Sport", dem Weltmeister Bitter, der die Goldmedaille festhielt und dem die Zukunft im deutschen Handballtor gehört.

Beides geht zusammen, weil Ehefrau Bernadette ihm "den Rücken freihält", wie Johannes Bitter sagt: "Ich bekomme von ihr alle Unterstützung, die man sich wünschen kann." Und zurzeit auch viel Bildmaterial von Söhnchen Jonathan Magnus aufs Handy. Die lange Trennung tue schon ein bisschen weh, aber man habe sich auch privat lange auf Olympia vorbereiten können. In Peking nur dabei zu sein, das wäre Bitter freilich zu wenig: "Wir haben ein bisschen mehr vor." In Athen vor vier Jahren war es am Ende Silber. Mit dem Geist von Halle ist alles möglich.

Von Achim Leoni

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Color Line Arena
Mi 11.02. 18:30 Uhr

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HSG Wetzlar
28:29
(17:16)
HSV Hamburg
Rittal-Arena Wetzlar
So 28.12. 15:00 Uhr

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Wie weit kommt das DHB-Team bei der WM in Kroatien?
Titel-Verteidigung: Gold
Finalniederlage: Silber
Im Halbfinale raus: Bronze
'Undankbar': der 4. Platz
Mittlere Platzierung: Platz 5-8
'Unter ferner liefen': Platz 9-12
Vorrunden-Pleite: Platz 13-24
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