13.08.08 -
Es war die Szene, die vielleicht nicht dieses Spiel entschied. Aber womöglich schon über den Ausgang des ganzen olympischen Turniers. Pascal Hens, der Star des HSV Hamburg, hatte in der 39. Minute zu einem Wurf aus dem linken Rückraum angesetzt, er stand in der Luft, als ihn der Isländer Ingimundur Ingimundarson attackierte. Eine normale Defensivaktion, nicht gemein, nicht link. Hens fiel zu Boden, "und dann ist sein linkes Knie durchgeschlagen", so hatte es Mannschaftskamerad Christian Schwarzer beobachtet. Hens blieb liegen, wurde beim Stand von 20:20 vom Platz getragen und ins Krankenhaus gefahren. Die erste Diagnose von Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier: Fraktur des Schienbeinplateaus, acht bis zehn Wochen Pause.
Damit sind die Spiele für den 28-Jährigen erneut vorzeitig beendet. Schon den Gewinn der Silbermedaille in Athen 2004 hatte Hens nur von der Tribüne verfolgen können, nachdem ihn in der Vorrunde eine Bandscheibenverletzung gestoppt hatte. Der Weltmeister soll nun umgehend nach Hamburg zurückkehren und von HSV-Mannschaftsarzt Oliver Dierk untersucht werden.
Die 29:33 (14:17)-Niederlage gegen die kampfstarken Isländer geriet fast zur Randnotiz. "Die Verletzung ist ein Schock für uns alle", sagte Torhüter Johannes Bitter, der Vereinskollege. Für HSV-Sportchef Christian Fitzek ist sie fast zwangsläufige Folge der chronischen Überlastung, der die Profis ausgesetzt sind: "Auch wenn es ein Unfall war: Den Topathleten fehlen die nötigen Regenerationsphasen, um die vielen Mikrotraumen auszukurieren."
In Hamburg dürfte Hens dank der Verpflichtungen von Blazenko Lackovic und Arne Niemeyer eher zu ersetzen sein als für Bundestrainer Heiner Brand. Der eigentliche zweite Mann, Lars Kaufmann vom TBV Lemgo, war unmittelbar vor Turnierbeginn von einem Muskelfaserriss gestoppt worden. Noch am Abend nominierte Brand den Wetzlarer Sven-Sören Christophersen nach, ansonsten stehen ihm mit Michael Kraus (Lemgo) und Oliver Köhrmann (Großwallstadt) nur zwei Mann auf halblinks und im Aufbau zur Verfügung.
Könnte sein, dass das in dieser Gruppe, in der es Favoritenstürze zuhauf gab, zu wenig ist. Am Donnerstag wartet im dritten Match Afrikameister Ägypten (3 Uhr MESZ). In den zwei Vorbereitungsspielen vor Peking unterlag Deutschland einmal gegen diesen unorthodox spielenden Gegner.
Trotz dieses Schocks besaß der Weltmeister von 2007 durchaus die Chance, dieses Spiel zu gewinnen. "Wir haben uns ja wieder reingekämpft", war Brand mit der Einstellung der Mannschaft hochzufrieden. Vor allem Kraus (13 Treffer) zeigte eine hervorragende Leistung, auch der Nordhorner Holger Glandorf (acht) tankte sich immer wieder durch. Doch das waren zumeist Einzelleistungen, als Mannschaft funktionierte das Gebilde nicht. Bezeichnend der üble Ellenbogencheck gegen Snorri Gudjonsson, für den Christian Zeitz (Kiel) in der 26. Minute die Rote Karte sah. "Das ist nicht unser Stil", kritisierte Brand harsch.
Von Erik Eggers und Achim Leoni
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